Umfrage 2026: Die Goldreserven der Zentralbanken

In seiner Umfrage zu den Goldreserven der Zentralbanken 2026 hat der World Gold Council ermittelt, dass die Staatsbanken in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich 1.000 Tonnen Gold angehäuft haben. Und damit doppelt so viel wie im Jahrzehnt zuvor.
Umfrage 2026: Die Goldreserven der Zentralbanken

Das neunte Jahr in Folge hat der World Gold Council (WGC) gemeinsam mit dem Datenanalyse- und Marktforschungsdienst YouGov eine Umfrage unter den Zentralbanken durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass sich die positive Einstellung gegenüber Gold im gesamten Zeitraum der Erfassung deutlich verbessert hatte. So ist die Rolle von Gold als Reservewährung gewachsen – ebenso wie der Wunsch der Befragten, ihre Goldreserven aufzustocken. Dabei gelten die Sorge um Zinssätze, Inflationsaussichten und geopolitische Unsicherheiten als Haupttreiber, in den strategischen Vermögenswert Gold zu investieren. Darüber hinaus hat die diesjährige Umfrage einen neuen Trend aufgezeigt: Die Zentralbanken streben verstärkt eine geografische Diversifizierung der Goldlagerstätten an. Sie vertrauen auf Gold als zuverlässige Wertanlage sowie als Schlüsselelement ihrer langfristigen Strategien im Reservemanagement.

Angesichts der zunehmenden Unsicherheit der Weltlage haben Sicherheit, Liquidität und Rendite von Gold – als die drei wichtigsten Anlageziele der Zentralbanken – an Bedeutung gewonnen. Die in der WGC-Studie ermittelten Trends deuten darauf hin, dass die Notenbanken die Vorteile einer Goldanlage weiterhin erkennen und ihre Goldnachfrage wohl auch in absehbarer Zukunft hoch bleiben wird.

Die Umfrage-Methodik

Die anonyme Umfrage des World Gold Councils zu den Goldreserven der Zentralbanken wurde zwischen dem 5. Februar und 19. Mai 2026 durchgeführt. Dabei ging der größte Teil der Antworten nach Beginn des Nahostkonflikts ein. Daher liefert die diesjährige Erhebung der globalen Lobby-Organisation der Goldbergbauindustrie Erkenntnisse darüber, wie die Staatsbanken Gold angesichts anhaltender geopolitischer Turbulenzen bewerten.

Die im Juni 2026 veröffentlichte Erhebung stellt gleichzeitig einen neuen Rekord bei der Beteiligung dar. Von rund 150 ausgewählten Zentralbanken haben 76 den Fragebogen ausgefüllt und abgeschickt. Damit sei die Stichprobe sowohl geografisch als auch hinsichtlich des Goldbestandes hochrepräsentativ für die Gemeinschaft der Weltbanken.

Steigende Goldreserven in Zukunft

Laut der WGC-Umfrage gehen die Zentralbanken weiterhin positiv von der Entwicklung des Goldmarkts aus. Mit 89 Prozent glaubt die Mehrheit der Befragten, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten ansteigen werden. Dass auch die eigenen Goldbestände im gleichen Zeitraum zunehmen werden, erwarten 45 Prozent der Teilnehmer. Nur ein Prozent rechnen mit einem Rückgang der Reserven in ihren Institutionen, während der Hauptteil keine Veränderung sieht.

Die Studie bestätigt den Trend der Vorjahre: Die Großbanken gehen davon aus, dass Gold einen wachsenden Anteil ihrer Währungsreserven ausmacht. So glauben 84 Prozent der Befragten, dass Gold in fünf Jahren einen deutlich höheren Anteil an den Gesamtreserven haben wird, gegenüber 76 Prozentpunkten im Vorjahr. Dabei waren die Antworten der Zentralbanken in Industriestaaten und Schwellen- und Entwicklungsländern weitgehend einheitlich. Jedoch erwartet die Mehrheit, dass der Goldanteil an den Gesamtreserven in fünf Jahren moderat höher sein wird.

Gründe für die Goldhaltung der Landesbanken

Zu den Hauptgründen für die Goldhaltung führen die Notenbanken die Wertentwicklung von Gold in Krisenzeiten, die Absicherung gegen Inflation und die Portfoliodiversifizierung an. Überdies gilt Gold als Absicherung gegen geopolitische Risiken und als wichtige Unterstützung der eigenen Währung.

Während die Zentralbanken sowohl der Schwellen- und Entwicklungsländer als auch der Industrieländer hinsichtlich der Zinssätze übereinstimmten, war der Anteil der Befragten aus der erstgenannten Gruppe, welche die Zinsentwicklung sorgenvoll betrachten, deutlich höher als in den Industriestaaten. Dadurch ergibt sich ein Unterschied zur Umfrage des Vorjahres, in der beide Ländergruppen ähnliche Bedenken äußerten. Ähnliche Unterschiede zeigten sich auch in Bezug auf Inflationsbefürchtungen und geopolitische Instabilität. Ein höherer Prozentsatz der Befragten aus den Schwellen- und Entwicklungsländern gab an, dass Inflation (84 %) und die geopolitische Lage (95 %) weiterhin Priorität haben. Bei den Befragten aus den Industrieländern lagen diese Werte bei 61 und 67 Prozent. Potenzielle Handelskonflikte/Zölle sahen 54 Prozent aller Befragten als relevant für ihre Entscheidungen zum Währungsmanagement mit einem Schwerpunkt für die Schwellen- und Entwicklungsländer (60 % gegenüber 33 % bei den Industriestaaten).

Wie finanzieren die Zentralbanken ihre Goldkäufe?

Die Umfrageteilnehmer wurden ebenfalls danach gefragt, wie sie ihre Goldkäufe finanzieren würden. Etwa die Hälfte der Befragten ab an, ein inländisches Kaufprogramm in Landeswährung zu nutzen, während 38 Prozent den Verkauf bestehender Reservebestände nutzen will.

Den größten Teil der physischen Goldkäufe stellen dabei London Good Delivery-Barren (400 Unzen / 12,4 Kilogramm) dar. So gaben 62 Prozent aller Befragten diese Option als ihre bevorzugte an. Die Teilnehmer aus den Schwellenländern kauften auch Goldbarren in Doré- und Kiloqualität, diese waren jedoch deutlich weniger beliebt. Dies könnte die Art und Weise widerspiegeln, wie Gold über inländische Goldankaufsprogramme erworben wird, die einige Schwellenländer betreiben.

Wo lagern die Notenbanken ihr Gold?

Obwohl die Zentralbanken ihre Lagerbestände weiterhin auf mehrere Standorte verteilen, bleibt die Bank of England mit 57 Prozent der Nennungen der beliebteste Lagertresor unter den Befragten. Inländische Lager belegten mit 49 Zählern den zweiten Platz, gefolgt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit 16 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank verzeichnete einen deutlichen Rückgang der Beliebtheit und sank von 12 Prozent im Jahr 2025 auf aktuell 6 Prozent.

In der diesjährigen Umfrage stellt der World Gold Council einen deutlichen Anstieg bei der Änderung von Lagerstandorten fest. So gaben 9 Prozent an, ihre Lagerkapazitäten im Inland erhöht zu haben, und 10 Prozent erklärten, ihre Lagerstandorte im Ausland in den letzten zwölf Monaten diversifiziert zu haben. Dieser Trend zeigt sich auch bei den zukünftigen Plänen für die Lagerhaltung: 7 Prozent planen, ihre Lagerkapazitäten im eigenen Land zu erhöhen, und 9 Prozent planen, ihre Lagerstandorte im Ausland in den kommenden zwölf Monaten zu diversifizieren.

Fazit: Gold zur Diversifizierung und Risikominderung

Zentralbanken betrachten Gold zunehmend als aktiven und wichtigen strategischen Vermögenswert innerhalb ihrer Reserveportfolios. Die anhaltende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit belastet die Reservemanager weiterhin, wie die diesjährigen Ergebnisse des World Gold Councils zeigen. Die Sorgen um Zinssätze, Inflationsaussichten und geopolitische Unsicherheit verdeutlichen, dass Diversifizierung und Risikominderung weiterhin zentrale Faktoren für strategische Entscheidungen bei der Reservebildung sind. Während die Notenbanken dabei überwiegend auf Good Delivery Goldbarren zu 12 Kilo setzen, können Privatanleger kleinteiliger investieren. So sind bereits Goldbarren zu 0,5 Gramm erhältlich.